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Via del Drago, Stockhorn-Nordwand CH

Geschrieben von Barbara Büschlen am . Veröffentlicht in Blog

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Via del Drago (7c) in der Stockhorn Nordwand geklettert

 

Im August gelang mir der Durchstieg der Route "via del Drago" (7c) in der Stockhorn Nordwand. Die Route wurde 1997 von Pesche Wüthrich eingebohrt und hatte seither offiziell keine Wiederholung.

Seit meiner Geburt wohne ich in Steffisburg und sehe so jeden Morgen wenn ich aufstehe und rausschaue die Nordseite des Stockhorns. Schon immer dachte ich, dort oben müsste doch eigentlich eine geniale Linie zu finden sein. Nach einer kleinen Recherche fand ich schliesslich ein Topo mit einer knapp 250-Meter Route. Insgesamt mit dem Schwierigkeitsgrad 7c bewertet, dies auf sechs Seillängen verteilt (7b+/6a/6a/7a/7c/6c+). Als ich der Geschäftsleitung der Stockhornbahn von meinem Projekt in der Nordwand erzählte, waren sie sofort bereit, mich zu unterstützen.

 

Das Einchecken

Welcher Partner wäre zum einchecken ideal und lässt sich leicht für so ein Projekt motivieren? Ivo Budde, auf ihn konnte ich schon immer zählen. Aller Anfang ist schwer, wir irrten im Nebel herum und fanden schliesslich nach den Beschreibungen von Pesche Wüthrich doch noch den Einstieg. Die nächsten zwei Mal ging ich mit meinem Vater und checkte jeweils drei Seillängen aus.

 

Der Durchstieg war eigentlich Fotoshootingtag

Mit Yann Vuilleumier übernachtete ich auf dem Gipfel des Stockhorns, Ziel für den darauffolgenden Tag war es die ersten Bilder von der Route zu knipsen. Paps kam dafür extra hoch. Doch an diesem Morgen warf ich aber alles über Bord: Ich fühlte mich fit und hatte das Gefühl, ich sollte heute einen Durchstiegsversuch wagen. Die beiden vertrauten mir und hatten mit der kurzfristigen Planänderung kein Problem, sie glaubten an mich.

 

Fast wäre alles schon nach dem Aufwärmen ins Wasser gefallen

Ich schaute mir die erste Seillänge zum Aufwärmen noch einmal an. Da diese bereits 50 Meter lang ist, war ich gezwungen abzuseilen. Dabei hängte ich eine Expressschlinge ein, um noch einen Griff zu putzen. Leider hängte ich sie aber nicht mehr aus, so dass beim Abziehen des Seils der Knoten hängen blieb. Au Backe - obwohl uns bewusst war, dass wir jetzt ziemlich im „Seich“ waren, schauten sich meine Begleiter an und lachten beide verschmitzt. Auch ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. Papa war bereits beim Vorbereiten des Selbstaufstiegs, denn ich konnte nicht, es würde mich zu viel Kraft kosten, als Yann noch einmal kraftvoll am Seil zog. Und siehe da, aus irgendeinem Grund gelang dieser Knoten doch noch durch den Karabiner hindurch und wir konnten das Seil normal abziehen. „Das Glück muss an diesem Tag einfach auf meiner Seite stehen“ war mein Gedanke, währenddessen ich mich begann vorzubereiten.

 

Und dann gings los

Ich wusste, dass um 15.00 Uhr die Sonne in die Wand kam und an einem solchen Sommertag (Hitzetag) war es schlicht zu heiss, in der Sonne zu klettern. Deswegen musste ich mich beeilen. Nicht zu vergessen, dass die Schlüssellänge die Zweitletzte ist. Am meisten Respekt hatte ich jedoch vor der ersten Länge! Lang, technisch, untergrifflastig und heikel auf den letzten Metern. Doch es klappte. Dann kamen die zwei 6a-Längen, bevor dann eine 7a-Länge folgte, die eine echt harte Einzelstelle hat. Bislang klappte alles wie am Schnürchen. Nun die Schlüssellänge. Beim ersten Versuch rutschte ich ab, also wieder runter und nochmal fokussieren, zweiter Versuch. Diesmal stürzte ich beim Schlüsselzug. Nun drängte langsam aber sicher die Zeit, noch eine halbe Stunde, dann würde die Sonne da sein. Ich gönnte mir 25 Minuten Pause, versuchte mich zu erholen und mich zu konzentrieren, bis die Sonne von unten angeschlichen beim Stand war und ich schliesslich starten musste. Letzter Versuch, ich setzte alles auf eine Karte. Die Sonne stieg immer ungefähr zwei Meter versetzt hinter mir diese Schlüssellänge hoch bis zum Stand. Ohne Kompromisse zog ich die Länge durch, ein kleiner Freudenschrei, doch es wartete noch die letzte 6c+-Länge auf mich. Diese bereitete mir aber keine Mühen mehr, und so stand ich am eigentlichen Fotoshootingtag am späteren Nachmittag mit dem Durchstieg in der Tasche auf dem Stockhorn.

Der Dank für das geduldige Sichern, den Nachstieg mit Rucksack und die mentale Unterstützung gilt in erster Linie Yann Vuilleumier. Merci beaucoup! Ein grosses Dankeschön aber auch an meinen Vater, der seine Geduld beim Auschecken bewies und die Fotos schoss, sowie auch an Ivo Budde, der mit mir im Nebel herumirrte um die Route erst einmal zu finden und mich anschliessend beim ersten Kontakt mit der Route begleitete.


Herzlichen Dank auch Léonard Kohli für die Fotos!